Monatsaufgabe für den Juli

Praxis

Mal anders erklärt

Neulich habe ich in einem sehr lesenswerten Buch eine sehr schöne aber ganz andere Begriffserklärung die ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gehört habe, gelesen. Da ich diese Definition sehr anschaulich, wissenswert und einfach schön finde, möchte ich sie gerne mit dir teilen. 

Aufmerksamkeit ist Achtung

Zwei Dinge braucht ein guter Fotograf, so glaube ich.

Achtsamkeit und Demut. Ein gutes Bild will dein Staunen mit dem Betrachter teilen, ihn an den Augenblick teilhaben lassen. Der Betrachter möchte deine Demut mit dir fühlen, sich gleichsam mit dir verneigen vor deinem Motiv. Weshalb du es tun musst. Dann wird auch dem Betrachter dein Bild gefallen. (Bernhard Moestl, Shaolin, Knaur, 2010, S. 35) Wenn der gute Fotograf all ihre Farben, den Geruch ihrer Blumen, der ebenso wenig auf einem Bild zu sehen sein wird wie der leichte Wind, der sie umgibt, in sich aufgenommen hat und sie in seinem tiefsten Innersten zu schätzen weiß, dann ist die Zeit gekommen, ein Bild zu "nehmen". Und wenn er schließlich weiß, dass es nicht sein Talent, seine Kamera oder seine Ausbildung sind, die das gute Foto ausmachen, sondern die Landschaft selbst und seine ehrliche Achtung vor ihr, dann wird es auch ein Bild werden, das dieser Landschaft gerecht wird. Und eine, das den Betrachtern gefallen wird. (Bernhard Moestl, Shaolin, Knaur, 2010, S. 36, S.37)

Achtsamkeit gegenüber der Schöpfung

Sehen Sie die riesige Wiese mit den Tausenden bunten Blumen, die uns da umgibt? Sehen sie, wie sie leuchten? Alle diese Blumen? Auch ich habe sie gesehen. Ich habe mich an der Situation erfreut, am Frühling und am schönen warmen Wetter. Und eben auch an diesen Blumen. Und damit wäre das Thema Wiese und Schönheit der Blumen wie so oft für mich wieder einmal erledigt gewesen.

Doch diesmal sagt ein Mensch, dessen tiefes Wissen über das Wesen der Dinge mich schon so oft erstaunt hat, zu mir:" Natürlich sind diese Blumen schön. Sie strengen sich ja auch alle sehr an. Schließlich müssen sie duften und leuchten, damit sie von den Bienen besucht werden." Die Erkenntnis war einfach unglaublich. Jede einzelne dieser Millionen von Blumen gibt sich Mühe! Jede einzelne versucht mehr zu strahlen und mehr zu duften als alle anderen, damit auch sie nicht von den Bienen vergessen wird. Jede einzelne dieser Blumen ist ein Wesen wie ich. Und jede einzelne Blume bemüht sich auch für mich. Sie möchte den Bienen und auch mir gefallen. Und sie freut sich, wenn ich sie sehe, sie beachte und mich über sie freue. 

Das war der Moment, in dem ich Achtsamkeit gelernt habe. Natürlich können Sie jetzt sagen, das ist alles Unsinn. Die Blumen duften und leuchten, weil es die Evolution im Laufe der Entwicklung einfach so eingerichtet hat. Es ist das alte Prinzip von der Erhaltung der Art. Womit Sie freilich recht haben. Ohne Besuch der Bienen könnten die Blumen ganz einfach nicht überleben. (Bernhard Moestl, Shaolin, Knaur, 2010, S. 41, S.42)

Achtsamkeit schafft Freude

Aber erklärt das auch, warum wir uns darüber freuen können? Genau genommen könnte uns das nämlich alles ziemlich egal sein. Nichts würde sich durch unsere Gleichgültigkeit ändern. Die Sonne würde farbenprächtig auf- und wieder untergehen, die Blumen würden blühen und duften, die Vögel zwitschern und das Leben seinen gewohnten Lauf nehmen. Alles würde ablaufen, wie es die Evolution eben vorgesehen hat. Trotz allem haben wir die Möglichkeit, zu beobachten, zu staunen und uns zu freuen. Wenn nun diese Möglichkeit der Freude schon da ist und unser Leben um so vieles schöner macht, warum sollten wir sie dann nicht auch nutzen? 

Achtsamkeit bedeutet Aufmerksamkeit und Achtung. Aufmerksamkeit im Moment und Achtung vor allem, was uns gibt.

 

Monatsaufgabe

Wach sein. Hinschauen. Wertschätzen.

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