Lerne, ruhiger zu werden.

Praxis

Ich bin im Supermarkt und stehe an der Kasse. Die Schlange ist lang. Ich bemerke eine gewisse Unruhe und Nervosität in mir und beginne die Situation außerhalb von mir zu beobachten. Ich nehme also die sogenannte Vogelperspektive ein. Ich sehe wie die Leute immer unruhiger und ungeduldiger werden. Man spürt regelrecht die unguten Schwingungen der Menschen und es lässt sich erahnen, was in den Köpfen der Leute herumschwirrt:  "Schnell, schneller, keine Zeit!" Der Druck der Kassierin wird größer. Sie arbeitet zügiger, hastiger. Die eingeschlichene Schnelligkeit lässt sie nur noch "funktionieren", sie handelt alles andere als bewusst und achtsam. Und wenn genau das eintritt, was passiert dann schnell? Genau, Fehler! Sie vertippt sich, sagt falsche Beträge oder vergisst ganz und gar "Hallo" zu sagen. Die Fehler führen noch zu mehr Hast und folglich wieder zu Fehlern. Die Menschen in der Reihe werden spürbar genervter; man vernimmt regelrecht das Stöhnen. 

Nun bin ich an der Reihe. Ich versuche erst gar nicht, mich diesem Trubel hinzugeben. Ich führe einen ruhigen Dialog mit mir und werde bewusst gelassener. Ich bleibe in meiner Mitte. Immer wieder zentriere ich mich. Anscheinend strahle ich auch diese erarbeitete Ruhe aus, denn die Kassiererin  wird unbewusst ruhiger. Ich grinse sie an und bedanke mich. 

Wer sich beeilt, macht Fehler.

Wie sich oben in meinem Erfahrungsbericht erkennen lässt, ist es bedeutsam, seine eigene Ruhe und Langsamkeit in sich zu fördern. Denn gerade in stressigen Situationen, wenn der Druck von Außen wächst, sollte man einfach einen Gang zurückschalten und nicht Gas nach vorne geben. Denn dann passieren schnell Fehler! Wer in sich ruht und tiefe Wurzeln besitzt, kann hingebungsvoll arbeiten ohne Druck und Stress. 

Langsamkeit ist ein Naturprinzip

"Wie so vieles anderes haben wir im Laufe der Jahre mit der Ruhe eine unserer wichtigsten Fähigkeiten mehr und mehr verloren. Wer aber einmal einen Hund bei seinem morgendlichen Spaziergang beobachtet, wird erkennen, wie sehr die Langsamkeit ein Prinzip der Natur ist. Wäre da nicht eine menschliche Begleitung, die hier zieht und dort stößt, das Tier selbst hätte alle Zeit dieser Welt. Warum auch nicht? Würde es der Geschwindigkeit des Menschen folgen und an allem nur vorbeilaufen, ohne es wirklich wahrzunehmen, was hätte es davon? Auch die Evolution nimmt Änderungen nicht im Stundentakt vor. Gut Ding braucht eben Weile, und so denkt die Natur in Jahrtausenden, wenn nicht in Jahrmillionen. "

(vgl. Bernhard Moestl: Shaolin, 2010, S.113)

Eile mit Langsamkeit besiegen


"Sie wollen einen Stein glatt geschliffen? Legen Sie ihn in einen Bach, und kommen Sie in fünfzig Jahren wieder. Dann könnte er fertig sein."

"Wenn du in Eile bist", so sagt ein chinesisches Sprichwort, "dann gehe langsam." Das klingt im ersten Moment ambivalent, ist es aber nicht. Denn wer langsam geht, kommt schneller an. Wenn man ein wenig darüber nachsinnt, ist dieser Sachverhalt logisch und klar.

Übung

Langsam geht schneller

Wenn du in Eile bist, gehe langsam. Dieses Sprichwort aus China soll uns eine Gedankenstütze für die nächsten Wochen, am besten ein ganzes Leben lang geben. Denn wenn du hektisch und schnell bist, dann schalte gezielt 1 bis 2 Gänge zurück. Erinnere dich jeden Tag bewusst an die Langsamkeit, so entsteht in dir immer mehr Ruhe. Finde dein eigenes Tempo und lass' dich nicht zur Schnelligkeit drängen. Denn in der Schnelligkeit und in der Hast passieren die meisten Fehler! Also, wenn wir uns in einer hektischen Situation befinden, ob wir nun vor Eile den Schlüssel nicht ins Schloss bekommen oder nicht schnell genug den Geldbeutel aus der Tasche ziehen: Ermahnen wir uns selbst, langsam zu gehen. Wir werden sehen, wir sind schneller und gelassener. Probiere es aus. Alles braucht seine Zeit.

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Kommentare: 1
  • #1

    Linda (Sonntag, 29 Januar 2017 20:40)

    Fantastisch!