Lerne, offline zu gehen.

Praxis

Da sitze ich im Stuhl und schau' aus dem Fenster. Es regnet. Ich merke, es wird langsam still in mir. Fast hypnotisch schaue ich raus, auf die Blätter, die sich durch den Wind bewegen. Wie schön die Natur ist, geht mir durch den Kopf. Wie faszinierend ihre Wirkung auf mich ist. Der Regen plätschert vor sich hin. Und ich werde von Minute zu Minute ruhiger. Immer wieder halte ich kurz inne und bemerke eine tiefe Ruhe und Bewunderung in mir. 

Ich versuche, meine Fokussierung zu lösen, um mich endlich der viel zu verspäteten Monatsaufgabe zu widmen. Aber immer wieder schweift mein Blick aus dem Fenster hinaus. Tut das gut. 

Draußen ist das Leben.

In den letzten Wochen ist mir aufgefallen, besonders an mir selbst, dass ich immer öfter auf das Handy schaue. Und das teilweise schon unbewusst. Meine Hände haben sich sozusagen verselbstständigt, greifen aus Gewohnheit zum Smartphone und gefolgt mit einem leeren Blick auf's Display. "Ähm, nach was wollte ich eigentlich schauen?" Durch die extreme Reizüberflutung schaffen wir es nur selten, alles Wesentliche zu filtern und können uns kaum noch auf eine Sache fokussieren. Es passiert mittlerweile einfach soviel am Handy und drum herum. Dauernd erreichen uns Informationen, die uns beschäftigen. Ob wir es wollen oder nicht. Seien es die unzähligen Facebook-Posts und Nachrichten von Freunden, die stündlich reinkommenden Eilmeldungen unserer Nachrichten-App oder der ständige Pfeifton bei Whats App, der den nächsten Auftrag des Chefs ankündigt. Aufgrund dieser ganzen Informationsflut werden wir immer müder und unkonzentrierter. Und wenn wir unkonzentriert sind, sind wir nicht fokussiert und somit nicht achtsam und folglich, leben wir nicht im Hier und Jetzt. Wir sind nicht im Moment. Wir sind "irgendwo", aber nicht in der Gegenwart. Wir bemerken zwar, wir fühlen uns irgendwie nicht gut, können es aber nicht genau lokalisieren. Ja, man könnte sagen, in unserem Kopf rauscht es, so eine Art Schwebegefühl macht sich in uns breit. Wir sind ungeerdet. Zu viele Informationen schwirren in unseren Köpfen umher, tausende Gedanken herrschen in uns, bereit verarbeitet zu werden. Und statt raus, in die Natur zu gehen, um runter zu kommen, uns zu erden und um eine bessere Informationsverarbeitung zu fördern, versuchen wir uns abzulenken. Wir schalten den Fernseher an, das Radio oder greifen wieder zum Smartphone. Was gibt's Neues? Und unweigerlich kommen wieder neue Informationen hinzu und der Kreislauf beginnt von vorn.

Was gibt's Neues?

Wir wollen immer beschäftigt werden. Entertaint werden. Und hauptsache wir lenken uns ab, vor unseren Problemen, vor unserem Inneren, vor unseren Ängsten etc. . Dauernd sind wir beschäftigt, sind im "Tun".  Und merken dabei nicht, wie wir uns immer mehr verlieren. Nicht bei uns sind. Und da nehme ich mich nicht raus! Und um aus diesem Informationskarussell auszusteigen, habe ich mir eine Lernaufgabe gestellt.

Übung

Gehe Offline!

Mehr weg von der Mediengesellschaft - hin zur echten Realität.

Ich habe mir das Ziel oder die Aufgabe gesetzt, wieder stärker im Hier und Jetzt zu sein. Mich von der digitalen Welt zu lösen, um mich wieder intensiver in der Natur und der realen Wirklichkeit zu bewegen. Was aber nicht heißt, dass ich weiterhin keine sozialen Netzwerke nutzen möchte, sondern es heißt; mich kontrollierter und bewusster in den digitalen Welten aufzuhalten. Sprich, wenn ich aus dem Internet gehe bzw. Smartphone, auch wirklich offline gehe. Im Kopf. Wie oft machen wir das Handy aus und beschäftigen uns dennoch mit "irgendwas", dass mit der digitalen Welt zusammenhängt.  In solchen Fällen sind wir meistens nur auf stand by. Und nicht offline. Wir leben also unbewusst weiterhin in der digitalen Welt, obwohl wir das Handy schon längst weg gelegt haben. Und es kostet Energie, sich in 2 Welten aufzuhalten. Wenn wir konkreter und kontrollierter die digitale Welt nutzen und einen richtigen Offlinemodus wählen, sind wir wieder viel lebendiger, konzentrierter und bewusster. Deshalb ist es so wichtig, öfter spazieren oder wandern zu gehen, um die Stille der Natur wahrzunehmen. In solchen Momenten nehmen wir wahr, wie es uns wirklich geht und was uns tatsächlich beschäftigt. Auf diese Weise werden unsere Gedanken allmählich ruhiger und wirbeln nicht mehr so wild umher. Es wird leiser. Stiller. Unsere Sinne werden wieder schärfer. Wir fühlen den kühlen Wind, hören das Vogelgezwitscher und spüren unsere Atmung. Wir kommen an. Im Augenblick. Im Hier und Jetzt. Das gibt uns das Gefühl der Geborgenheit, dass alles gut ist, wie es ist. Draußen an der frischen Luft werden die Gedanken ruhig und klar. Und wir werden wieder wach und lebendig. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0